Biogas wird durch die Vergärung von organischen Stoffen hergestellt. Meist werden so genannte Energiepflanzen wie Mais oder Elefantengras verwendet, denn diese bringen die beste Energieausbeute. Eigens dafür werden Grasland gerodert, Ackerflächen gedüngt und großflächige Monokulturen mit Pestiziten rein gehalten.
Inzwischen ist es für Bauern lukrativer, Mais für Biogas anzubauen, nicht nur weil für zwanzig Jahre die Erträge garantiert werden, sondern weil er auch mehr verdient.
Biogas ist nichts anderes als Methan, welches bei Gärprozessen entsteht. Allerdings entstehen bei Biogasproduktion auch noch andere Gase, wie z.B. Lachgas oder Kohlenmonoxid. Methan und Lachgas sind auch als Treibhausgase bekannt. Methan hat einen 25mal stärkeren Treihauseffekt als Kohlendioxid. Der Treibhausfaktor von Lachgas (N2O) gegenüber CO2 liegt bei 300, in Worten dreihundert!
Da diese Bestandteile des Biogases im Gasmotor des an die Biogasanlage angeschlossenen Blockheizkraftwerk (BHKW) verbrannt werden, wird es nicht so schlimm sein. Doch leider wird nicht alles verbrannt. Methanschlupf heißt dieser Verlust.
Ein Teil der Gase entweicht aber aus vielen Gründen (Lecks, Reparaturen, Ablassen bei Überdruck, Nachgärungen ohne Gasabsaugung) in die Atmosphäre, bevor das Biogas überhaupt im Motor ankommt und verstromt werden könnte. In der Regel sind Biogasanlagen mit einer Plane abgedeckt und keineswegs dicht. Zugang bei Reparaturen, Wartungen und zur Befüllung tun ihr Übrigens für einen Biogasverlust. Die Fachliteratur gibt diese Verluste mit 15 % an.
Die Gefährdung der Artenvielfalt durch großflächige Monokulturen und die Belastung der Gewässer mit Düngern und Schädlingsbekämpungsmitteln ließe sich vielleicht rechtfertigen, wenn Biogas hervorragend das Klima schützte. Das ist allerdings fraglich!
Zwar verbrennt Biogas klimaneutral, zumindest der Teil, welcher nicht entweicht. Doch die dabei produzierten noch schädlicheren Klimakiller sprechen eine andere Sprache.
Zudem kostet es viel Energie für eine Biogasanlage Tausende Tonnen Mais anzubauen, ihn zu düngen, vor Schädlingen zu schützen, zu ernten, zu häckseln, zu transportieren, zu silieren, bei einer bestimmten Temperatur und unter Verwendung eines Rührwerkes zu vergären sowie schließlich die gewaltigen Gärrestmengen wieder auf den Feldern zu verteilen.
Der nächste Kritikpunkt betrifft die Gärreste. Sie sind nie voll vergoren und produzieren weiterhin Methan und Lachgas. Das stickstoffhaltige Lachgas wird auch dann noch produziert, wenn die Gärreste wieder auf die Felder ausgebracht wurden. Der heranwachsende Mais nimmt zwar einen Teil des Stickstoffs auf, aber Mikroben im Feldboden oxidieren einen Teil des Stickstoffs (N) zu Lachgas (N2O).
Wohlwollende Schätzungen gehen davon aus, dass rund 1,25 % des eingesetzten Stickstoffs als Lachgas unser Leben erwärmen ... Der Chemie-Nobelpreisträger Paul Crutzen rechnet mit einem Wert von rund 3 %. Dann würden Biogasanlagen zur größten Klimabelastung, die Erneuerbare-Energie-Gewinnung regulär verursacht. Die Gesamtemissionen und Nebeneffekte dieser Biostromproduktion liegen somit viel höher als jene für die Gewinnung von Ökostrom aus Wasser-, Wind- oder Sonnenenergie. Vergleicht man sie mit jenen modernen Gaskraftwerken, die fossiles Erdgas nutzen, dann wird jeder einsehen: Strom aus Erdgas kann sogar umweltfreundlicher sein als solcher aus Biogasanlagen.
Hinzukommt die veränderte Landnutzung. Wird Weideland auf Maisanbau umgestellt, so enthält der Boden zunächst viel Humus. Humus hat viel Kohlenstoff gespeichert. Dieser Kohlenstoff verwandelt sich durch verstärkten Luftkontakt, z.B. bei der Bodenbearbeitung in das Treibhausgas Kohlendioxid. Um diesen Klimaeffekt auszugelichen, müsste man in Abhängigkeit des Bodentyps jahrelang Bioenergiepflanzen darauf anbauen.
Drei Viertel eines Jahres liegen die Acker quasi brach und sind der Erosions ausgesetzt. Man denke nur an die Toten des Anfang 2011 durch eine vom Acker aufgewirbelte Staubwolke an der A19 bei Rostock.
Biogasanlagen können intelligente Lückenfüller für Ökostrom sein. Doch oft laufen die Anlagen rund um die Uhr und verschwenden besonders im Sommer viel Wärme.
Die gegenwärtige Biosgasproduktion will zwar ihren Beitrag zur Reduktion der Treibhausgase erbringen, produziert aber in Wahrheit mehr Klimakiller als ohne sie. Zudem werden Landerosion und Artensterben begünstigt.
Glücklicherweise gibt es inzwischen auch Konzepte, die diesen negaitven Wirkungen entgegen wirken wollen.
Wie es dem inzwischen vor dem Aussterben stehenden deutschen Kiebitzen geht, erfahren Sie im nachfolgend gelisteten Beitrag.
Quelle und ausführlichere Version gibt es bei der
Zeit-Online: Biogas, Nein Danke!
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