Kurz gesagt

Nicht die größte Station ist die richtige, sondern die, die zu deiner tatsächlichen Tageslast passt.

  • Die Gasheizung fällt zuerst aus – Steuerung und Pumpe brauchen Strom, das Gas allein nützt nichts
  • Realistischer Tagesbedarf: 1,5 bis 2,5 kWh für Heizung, Kühlschrank, Router und Licht
  • Laufzeit ≈ Wattstunden × 0,85 ÷ Watt – die 15 Prozent gehen an Wechselrichter und Restkapazität
  • LiFePO4 statt NMC: 3.000 bis 4.000 Zyklen und bessere Lagerfähigkeit für ein Gerät, das meist ungenutzt steht
  • Niemals in eine Steckdose einspeisen – lebensgefährlich und unzulässig

Was bei einem Stromausfall tatsächlich passiert

Die erste Überraschung betrifft nicht das Licht. Sie betrifft die Heizung.

Eine Gas- oder Ölheizung erzeugt ihre Wärme aus dem Brennstoff, aber Steuerung, Zündung und Umwälzpumpe laufen elektrisch. Fällt der Strom aus, bleibt die Therme kalt, obwohl Gas anliegt. Im Winter ist das der Ausfall mit den ernstesten Folgen – nach etwa einem Tag kühlt ein durchschnittlich gedämmtes Haus spürbar aus, nach zwei bis drei Tagen wird es unangenehm bis kritisch.

Die gute Nachricht: Der Strombedarf dafür ist klein. Eine moderne Hocheffizienzpumpe zieht rund 20 Watt, die gesamte Anlage mit Steuerung und Gebläse je nach Alter etwa 50 bis 200 Watt. Das ist genau die Größenordnung, die eine Powerstation über viele Stunden liefern kann – die Heizung ist damit der Verbraucher mit dem besten Verhältnis von Nutzen zu Verbrauch.

Was sonst noch ausfällt und wie wichtig es wirklich ist:

  • Kühl- und Gefriergeräte. Geschlossen halten sie mehrere Stunden. Ein Gefrierschrank übersteht bei voller Füllung und geschlossener Tür meist einen halben bis ganzen Tag. Erst danach wird es kritisch.
  • Router und Mobilfunk. Der eigene Router ist tot, das Mobilfunknetz hält je nach Standort noch einige Stunden über Notstrom der Betreiber. Ein geladenes Handy ist im Zweifel wichtiger als WLAN.
  • Licht. Mit LED verschwindend gering. Ein paar Watt über einige Stunden.
  • Herd und Backofen. Faktisch nicht überbrückbar. Ein Ceranfeld zieht 1.500 bis 2.500 Watt – das leert jede Powerstation in unter einer Stunde. Für Warmes gehört ein Gaskocher in den Schrank, keine größere Batterie.
  • Wasser. In Häusern mit Hauswasserwerk oder Druckerhöhungsanlage fällt auch der Wasserdruck aus. In Mehrfamilienhäusern ohne Pumpe bleibt der Druck meist erhalten.

Die Rechnung: wie viel Kapazität du wirklich brauchst

Statt zu schätzen, lohnt eine schlichte Aufstellung. Watt mal Stunden ergibt Wattstunden, tausend Wattstunden sind eine Kilowattstunde.

VerbraucherLeistungLaufzeit/TagBedarf/Tag
Gasheizung (Pumpe + Steuerung)80 W10 h0,8 kWh
Kühlschrank, mittleres AlterZyklusbetrieb0,5 kWh
Gefrierschrank, älterZyklusbetrieb0,8 kWh
Router und Telefon15 W24 h0,36 kWh
LED-Licht20 W5 h0,1 kWh
Handys und Laptop laden0,15 kWh

In Summe landet ein Haushalt mit Heizung, beiden Kühlgeräten und Kommunikation bei gut 2,5 kWh pro Tag. Ohne Gefrierschrank und mit sparsamem Umgang sind es eher 1,5 kWh. Das ist die Zahl, an der sich die Gerätewahl orientiert – nicht das Bauchgefühl.

Wer die Verbrauchswerte der eigenen Geräte nicht kennt, findet die Größenordnungen in der Stromfresser-Tabelle. Genauer wird es mit einer Messung: Wie man dabei vorgeht, steht unter Stromfresser finden, und die Jahreswerte für Kühlgeräte lassen sich mit dem Kühlschrank-Rechner auf Tageswerte herunterbrechen.

Von der Kapazität zur Laufzeit

Auf der Powerstation steht eine Kapazität in Wattstunden. Davon kommt nicht alles an. Der Wechselrichter arbeitet nicht verlustfrei, und ein Teil der Kapazität bleibt aus Schutzgründen ungenutzt. Als Faustformel hat sich bewährt:

Laufzeit in Stunden ≈ Kapazität in Wh × 0,85 ÷ Last in Watt

Eine 1.000-Wh-Station hält bei 100 Watt Dauerlast also rund 8,5 Stunden, nicht 10. Bei einer Tageslast von 2,5 kWh braucht man rechnerisch knapp 3 kWh Kapazität – oder man lädt zwischendurch nach.

Der zweite Wert: die Dauerleistung

Kapazität sagt, wie lange. Dauerleistung sagt, was gleichzeitig laufen darf. Und hier gibt es eine Falle: Kühlschränke und Pumpen ziehen beim Anlaufen ein Vielfaches ihrer Nennleistung, oft das Drei- bis Sechsfache für den Bruchteil einer Sekunde. Eine Station, die auf dem Papier genug Dauerleistung hat, kann bei diesem Anlaufstrom abschalten.

Deshalb lohnt der Blick auf die angegebene Spitzenleistung. Bei einem Kompressorkühlschrank mit 100 Watt Nennleistung sollte die Station kurzzeitig 500 bis 600 Watt liefern können. Geräte mit 1.500 bis 2.000 Watt Dauerleistung haben diese Reserve regelmäßig.

LiFePO4 oder NMC – bei Notstrom keine Geschmacksfrage

Bei Powerstations für den Campingeinsatz kann man über den Zelltyp diskutieren. Für eine Notstromreserve ist die Sache eindeutig.

LiFePO4-Zellen (auch LFP) halten typischerweise 3.000 bis 4.000 Ladezyklen bis auf 80 Prozent Restkapazität. NMC-Zellen liegen oft bei einigen hundert bis rund tausend. Für ein Gerät, das im Camper jede Woche geladen wird, ist das ein Kostenargument. Für eine Notstromreserve ist etwas anderes entscheidend: die Alterung im Stillstand.

Eine Notstromstation steht die meiste Zeit ungenutzt im Keller. LFP-Zellen vertragen das deutlich besser und verlieren langsamer an Kapazität. Dazu kommt die höhere thermische Stabilität – bei einem Gerät, das jahrelang unbeaufsichtigt lagert, ist das kein Nebenaspekt.

Der Preis dafür ist Gewicht. Eine LFP-Station ist bei gleicher Kapazität schwerer. Im Keller spielt das keine Rolle.

Und was ist mit der Umschaltzeit?

Bessere Stationen bieten eine unterbrechungsfreie Umschaltung: Das Gerät hängt am Netz, und bei Ausfall übernimmt die Batterie innerhalb von Millisekunden. Für Kühlschrank und Heizung ist das nicht nötig – die merken eine Sekunde Pause nicht. Relevant wird es bei einem Desktop-Rechner oder einem NAS, das bei hartem Stromverlust Schaden nehmen kann. Wer ein NAS im Dauerbetrieb hat, sollte auf dieses Merkmal achten.

Vorgestellte Produkte

Passende Geräte je nach ausgerechnetem Bedarf

Erst die Tageslast aufschreiben, dann die Kapazität wählen. Die Reihenfolge andersherum wird teuer.

DirektlinkEcoFlow DELTA 2 Max tragbare Powerstation mit 2048 Wh, erweiterbar auf 2 bis 6 kWh, LFP-Batterie

EcoFlow DELTA 2 Max

2.048 Wh und erweiterbar – die Klasse, die einen ganzen Tag mit Heizung und Kühlgeräten trägt. Für Haushalte, die einen Ausfall über Nacht überbrücken wollen.

Die Erweiterbarkeit ist hier der eigentliche Punkt: Zusatzakku statt zweite Station, wenn der Bedarf später steigt.Produkt ansehen
DirektlinkAnker SOLIX C1000 Gen 2 tragbare Powerstation mit 2000 W Ausgangsleistung

Anker SOLIX C1000 Gen 2

Rund 1.000 Wh bei hoher Ausgangsleistung. Die Leistungsreserve ist das Argument: Anlaufströme von Kühlschrank und Heizungspumpe stecken solche Geräte weg.

Etwa ein halber Tag Vollversorgung. Für einen ganzen Tag braucht es Nachladen oder mehr Kapazität.Produkt ansehen
DirektlinkBLUETTI Elite 100 V2 tragbare Powerstation mit 1024 Wh LiFePO4-Batterie für Backup-Betrieb

Bluetti Elite 100 V2

1.024 Wh mit LiFePO4-Zellen, ausdrücklich für Backup-Betrieb ausgelegt. Solide Basis für Heizung, Router und Licht über eine Nacht.

LFP-Zellen sind hier der Grund zum Kauf – sie vertragen das jahrelange Herumstehen zwischen zwei Einsätzen.Produkt ansehen
DirektlinkECOFLOW River 3 Plus tragbare Powerstation mit 286 Wh LFP-Batterie

EcoFlow River 3 Plus

286 Wh – bewusst als Untergrenze genannt. Das reicht für Router, Licht und Handys, nicht für Heizung oder Kühlschrank über längere Zeit.

Ehrlich gesagt: Wer die Heizung sichern will, ist mit dieser Größe falsch beraten. Als Zweitgerät oder für die Wohnung ohne Gastherme sinnvoll.Produkt ansehen
DirektlinkJackery Explorer 1000 v2 Powerstation mit 100 W Solarpanel

Jackery Explorer 1000 v2 mit Solarpanel

Station und Panel im Set. Wer über einen Tag hinaus denkt, braucht ohnehin eine Nachladequelle – sonst wird reine Kapazität sehr teuer.

Ein 100-W-Panel liefert im Winter deutlich weniger als im Sommer. Für die Wintervorsorge eher großzügiger dimensionieren.Produkt ansehen

Powerstation oder Notstromaggregat?

Ein Verbrennungsaggregat liefert mehr Dauerleistung und läuft, solange Kraftstoff vorhanden ist. Das klingt nach der besseren Lösung und ist es in bestimmten Fällen auch – nur selten in der Wohnung.

Ein Aggregat darf niemals in geschlossenen Räumen betrieben werden, auch nicht in der Garage bei offenem Tor. Kohlenmonoxid ist farb- und geruchlos, und Vergiftungen durch falsch aufgestellte Stromerzeuger fordern regelmäßig Todesopfer. Das ist kein Restrisiko, sondern der häufigste tödliche Fehler bei der Notstromversorgung.

Dazu kommen praktische Punkte: Lautstärke im Bereich eines Rasenmähers, regelmäßiger Probelauf, Kraftstofflagerung mit begrenzter Haltbarkeit und Vergaser, die nach einem Jahr Standzeit verharzen. Wer nicht bereit ist, das Gerät zweimal im Jahr laufen zu lassen, hat im Ernstfall ein Aggregat, das nicht startet.

PowerstationAggregat
Betrieb im Hausjaniemals
Lautstärkelautloser Betrieb, Lüfter hörbarsehr laut
DauerKapazität begrenztsolange Kraftstoff da ist
Wartunggelegentlich nachladenProbelauf, Öl, Kraftstoff
Sofort einsatzbereitjaStartvorgang nötig

Die Sicherheitsregel, die alles andere überlagert

Es kursiert der Vorschlag, eine Powerstation über ein beidseitig mit Steckern bestücktes Kabel in eine Haussteckdose zu speisen, um das ganze Hausnetz zu versorgen. Tu das nicht.

Ein solches Kabel hat an einem Ende freiliegende, spannungsführende Kontakte, sobald das andere Ende steckt. Die Spannung liegt anschließend an sämtlichen Steckdosen des Stromkreises an und kann über den Zähler ins Netz zurückgehen – dorthin, wo Techniker an vermeintlich abgeschalteten Leitungen arbeiten. Das ist lebensgefährlich für andere und unzulässig.

Richtig ist: Verbraucher werden direkt an der Powerstation angesteckt. Für die Heizung bedeutet das ein Verlängerungskabel zur Therme – viele Anlagen sind über eine normale Steckdose angeschlossen und lassen sich einfach umstecken. Ist das nicht der Fall oder soll das Hausnetz fest versorgt werden, gehört eine Elektrofachkraft dazu, die eine Umschalteinrichtung mit sicherer Netztrennung einbaut.

Nachladen: der Punkt, an dem viele Konzepte scheitern

Eine Powerstation ist ein Speicher, keine Quelle. Nach ein bis zwei Tagen ist sie leer, und wenn der Ausfall dann noch andauert, war die ganze Vorsorge eine Verzögerung.

Realistisch bleiben zwei Nachladewege: Solarpanele und der 12-Volt-Anschluss des Autos. Faltbare Panels mit 200 Watt bringen im Sommer an einem guten Tag ein bis anderthalb Kilowattstunden – im Dezember bei bedecktem Himmel deutlich weniger. Wer die Vorsorge auf den Winter auslegt, sollte großzügiger dimensionieren, als die Sommerwerte nahelegen.

Wer bereits ein Balkonkraftwerk hat, sollte eines wissen: Eine normale Anlage speist über einen netzgeführten Wechselrichter ein und schaltet bei Netzausfall automatisch ab. Ohne Netz liefert sie nichts. Nur Anlagen mit ausdrücklicher Notstromfunktion oder ein separat angeschlossenes Panel helfen im Ernstfall weiter. Das ist eine der häufigsten Fehlannahmen bei diesem Thema.

Übrigens: Wer ein Wohnmobil besitzt, hat die größte Batterie meist schon vor der Tür stehen. Wie sich Aufbaubatterie, Wechselrichter und Solaranlage im Blackout nutzen lassen, steht im Ratgeber Wohnmobil als Notstrom fürs Haus.

Was sonst noch in die Vorsorge gehört

Eine Powerstation löst das Strom-, nicht das Versorgungsproblem. Ohne Strom fällt auch das bargeldlose Bezahlen aus, und Zapfsäulen laufen elektrisch. Sinnvoll ergänzen lässt sich das Konzept mit einem batteriebetriebenen Radio für offizielle Durchsagen, einem Gaskocher für Warmes, Taschenlampen mit Ersatzbatterien und etwas Bargeld. Das kostet zusammen weniger als jede Powerstation und deckt Fälle ab, die keine Batterie abdeckt.

Der letzte Punkt betrifft die Pflege: Eine Notstromreserve, die im Ernstfall bei 12 Prozent steht, ist keine Reserve. LFP-Stationen halten den Ladestand über Monate gut, entladen sich aber langsam. Zweimal im Jahr nachsehen und nachladen – am besten mit einem festen Termin, etwa bei der Zeitumstellung.